Von der kuriosophischen Symbolik

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Der Wanderstock meiner Reise ist mittlerweile mit verschiedener Symbolik bestückt. Es handelt sich dabei um wiederkehrende rhetorische Metaphern, die sich durch meine Beiträge ziehen. Sie bilden sozusagen meinen inneren Willen, die, höchst persönlich, prophetische Überzeugung ab, und unterliegen somit meiner inhärenten, und auch namensgebenden, Neugier.

Die folgende Abhandlung soll die kuriosophistische Symbolik zu entmystifizieren versuchen. Sie bereichert nicht nur den passiv stillen Beobachter und Leser, aber auch den tüchtigen Untersucher und Herr seiner eigenen Mystik. Die Liste und deren Inhalt ist sicherlich nicht vollständig und soll als eine momentane Aufnahme meiner Rhetorik verstanden werden. Sie ist weder Feuer noch Flamme, aber Glut und Asche zugleich.

 

Die Synthese: Synthese ist Begegnung und Wägung. Sie bildet ein grundlegendes Werkzeug zur Gewichtung von Schlüssen und zur Zusammenkunft von unterschiedlichen Richtungen, somit ist Synthese auch Einheit, Zentrum und Balance. Konkret bezweckt die praktische Synthese eine Abstimmung von Mensch und Umwelt, von Wissen und Unwissen, von Exoterik und Esoterik, von Rationalität und Irrationalität. Die Verschmelzung von bisher in Erfahrung Gebrachtem und für später Bewahrtem, gewissermassen eine geglättete, gleichwertig berechtigte Auseinandersetzung von Vergangenem und Zukünftigem. Die Hochmut als Wissens- und Machtdrang und Demut als fürsorgliche Ergebenheit, respektvolle Zurückhaltung bilden das auszubalancierende Spektrum der menschlicher Tugend. Denn hochmütige Unverhältnismässigkeit führt zu Überfluss, Vergeudung und Bedeutungslosigkeit und demütige Verhältnismässigkeit führt zu Reaktion, Verlust und Laune; beide Extreme münden zuletzt in der Lebensverneinung. Die goldene Mitte zu bewahren ist der Synthese grösste Versuchung, nämlich ein sich neutralisierender Ausgleich führt zur gleichgültiger Richtungslosigkeit und nichts ist dem synthetisierenden Willen ferner als Kraft und Impuls ohne gelenkte Bahn, ohne gezielten Willen.

Der Kreis: Kreis ist Kreislauf, und Kreislauf ist Zyklus. Das zyklische Prinzip entspricht der kosmischen Bewegung. Zyklus ist der Wegweiser und Richtungsgeber für synthetisierenden, schöpferischen Willen. Der Zyklus gibt dem Kleinem sowie dem Grossen ihre Verhältnissmässigkeit. Er schlägt Brücke zwischen der unscheinbaren Kleinigkeit und der himmlischen Unendlichkeit, denn räumliche Dimensionen unterliegen der gleichen zyklischen Gesetzmässigkeit unabhängig ihrer eigentümlichen Grösse: Quelle, Fluss und Niederschlag folgen einer kreisförmigen Bewegung und der Zustand ist erst aus zyklischer Sicht begreifbar. Erst durch dieses Muster des Kreises, des Flusses und des Kreislaufes sind physische, physikalische Gesetzmässigkeiten bestimmbar und berechenbar, denn durch diese orbikulare Zuverlässigkeit wird die Welt, der Kosmos absehbar. Jedoch ist die Bedeutung dieser zyklischen Ordnung nicht zu unterschätzen, nämlich erst das Wissen darüber gibt dem Lebendigen seinen gegenwärtigen Sinn: Leibeigener und Mitspieler einer geordneten Welt zu sein soll nicht belasten und unterwerfen, sondern an der schöpferischen Kette des Weltenspiels Teilnahme ermöglichen. Es gilt den gegenwärtigen Zustand, das heisst im Jetzigen, zu leben. Die Vergangenheit und die Zukunft, wenn auch Teil des gesamten Zyklus, sind nur Abbild von auswärtigen Zuständen. Gelassenheit und Gleichmut wollen erst gelernt sein in Anbetracht der über- und unterproportionalen Zügen von Raum und Zeit. Man ist Riese und Sandkorn zugleich. Man ist aber auch Betrachter und Antreiber zugleich. Die fernöstliche Lehre des Zen-Buddhismus verweist in seiner Nichtigkeit und Verneinung von objektiver Bedeutung auf die Gegenwart, auf das Dabeisein. Es geht dabei um das Wissen über Grössen und Grössenverhältnisse, welche nur zu erahnen sind. Dieses Bewusstsein über Bedeutungslosigkeit kommt Ehrfurcht und Achtung gleich.

Die Macht: Macht bedeutet Möglichkeiten. Möglichkeiten bedeuten Opportunität. Zyklus und Gegenwart verlangen nach Macht, denn, wenn man sich dem auch nicht bewusst wäre, in jedem Moment wird Entscheidung getroffen. Die Zukunft ergibt sich aus der Summe der jetzigen Entscheidungen, gewollt oder ungewollt. Daraus resultiert die existenzielle Angst des Lebens und seiner entscheidenden Lebenszügen. Es ist bedrückend in welchem Mass die anscheinend absurde Existenz sich Folge leistet und nach Verantwortung ruft. Und doch: Erst weil wir nach Macht, nach Freiheit, sehnsüchtig begehren, und diese jederzeit auch besitzen, kommt es zu Fortschritt, Schritt für Schritt einem Weg entlang. Wir dürfen uns dem Wort der Macht nicht fürchten und ächten: Dem Willen zur Macht wird man huldigen. Die Macht spielt eine zentrale Rollen in vielen Spielfilmen, nicht zuletzt wird in einem sternenkriegerischen Klassiker zur Macht, das magische Element das Welt und Leben in Balance haltet, hinauf gesehen. Macht an sich ist richtungslos und doch wird sie mit Stärke, Gewalt und Herrschaft gleichgesetzt. Es liegt selbstverständlich in der Natur der Macht, die Wahl zwischen Möglichkeiten, Einfluss auf entscheidende Dinge nehmen zu können. Eine Verwertung von Eigentum, Recht und Darwinismus ist von Nöten um der Macht seinen dämonischen Schleier zu nehmen und um somit dem demütigen Untermenschen seine Freiheit zurückzugeben.

Die Maske: Die Maske ist Schleier, Schauspiel und Vorwand. Die schleierhafte Macht findet sich in dem trügerischen Maskenspiel wieder. Man wendet und dreht sich, und doch ist der Maskenball noch kein maskenloser Tanz. Die Macht ist neutral und unpersönlich, die Maske hingegen ein handgeschnitztes, höchst persönliches Unikat. Sie dient dem Psychologischen, sowie dem Zwischenmenschlichem. Erst die Maske macht aus Neurowissenschaft Psychologie. Somit ist es auch verzwickt sich ein treffendes Bild des Maskenträgers zu machen. Am besten begleitet sich das maskeradische Schauspiel mit hohen Parolen und aufdringlich musikalischer Untermalung. Die Maske lässt sich auch nur mit kunstvollen Begriffen und menschlicher Intuition beschreiben. Denn es gilt der Rationalität und Berechenbarkeit zu entfliehen, nur somit bewahrt man am besten seinen eigenen Wert und Wertvorstellung, sein eigenes Gesicht. Niemand soll um deine Hilfslogiskeit und Angst im Anlitz der Macht wissen, darum wird fleissig weiter geschnitzt und gehobelt bis das Maskenbildnis wieder in seine Umgebung passt. Maskenlose Wesen und Neugeborene finden schnell Spass an der Maskerade mit seinen unterschiedlichsten Formen und Nuancen und begehren selber danach. Und doch: Einmal die Maske aufgesetzt wird man alsbald zu dessen Geisel, denn wer nicht zum Maskenball mit entsprechender Montur erscheint, bleibt Aussenseiter. Nur seltenst trifft man auf Maskenlose und Nackte, wenn sie auch das Licht der Ehrlichkeit, Selbstlosigkeit und Wahrheit tragen.

Der Tanz: Mit Maske oder ohne, es wird getanzt und das nicht im geringem Mass. Tanz ist Freude. Freude ist Leben, und ebenso soll auch getanzt werden: Mit nichts anderem als der Freude. Wer sich nicht freut, tanzt nicht. Wer trotzdem tanzt, ist nicht ehrlich: Wendend und drehend und doch nur ein grinsender Maskierter. Der Tanz ist Wirbel und wirkt wie Dynamit. Er kommt und geht, zerstört und gebärt und ist dadurch der kosmischen Gesetzmässigkeit des Kreislaufes unterworfen. Tanz ist Momentum und momentan. Tanz ist Kunst, Können und Interpretation zugleich. Tanz ist Audruck, Offenheit und, nicht zuletzt, Ehrlichkeit.

Die Farbe: Farbe ist Spektrum, Freude und Formenreichtum. Sie schenkt dem Leben seine majestätische Tönung: Erst durch Unterschied findet man sich zusammen. Erst durch Trennung ergibt sich Distanz und Weg. Erst Zusammensetzung erneuert, verbessert und bereichert. Farbe ist nicht nur sinnlich, sie ist Gleichnis für den kosmischen Kreislauf, den Lebenslauf: Denn auch Licht und Äther sind letztendlich nur Wellenlänge und Medium. Wer von Welle spricht, meint den Sinus, und Sinus ist der funktionale Kreis. Farbe und Farbenlehre ist nicht nur Wissenschaft, Beobachtung und Interpretation, sondern auch Kunst, Handlung und Tat: Farbe will gemalt werden.

Die Neugier: Die Neugier ist die philosophische Grundlage des weltlichen Willens. Sie ist der Antrieb für die Fortführung, Schliessung und Erneuerung des Kreises. Der Neugier liegen Wissbegier, Handlungswille und Aufgeregtheit zugrunde, kurz Lebenstärke. Die Neugier weiss den kosmischen Bogen zu spannen und ihn mit Richtung und Ziel zu versehen. Beachtlicherweise liegt die Neugier niemanden näher als dem Kind. Das Kind ist dem Menschen das höchste Symbol, denn er ist Kind und Neugier ebenso. Nicht nach Wissen drängt es das Kind, sondern nach Begeisterung, Wahrnehmung und Wohlgefallen. Es kalkuliert nicht im Voraus, es lebt im Jetzigen und weiss zu staunen, nichts hat der heutige Mensch nötiger.

Das ästhetistische Hendiatris ist die Summe der ganzen kuriosophischen Symbolik: Ehrlichkeit – Mannigfaltigkeit – Empfänglichkeit.