Tanz mit dem Tod

totentanz.jpg

 

Ein Dutzend Grabsteine stehen auf der Wiese einer kleinen vorstädtischen Parkanlage, die von der Kreuzung zwischen Strassenbahn und Bus zur örtlichen Kunsthochschule führt. Dieser Ort ist unter den Einheimischen aus dem Stadtviertel als Totentanz bekannt, denn hier wurde in der mittelalterlichen Grossstadt mit dem Tod getanzt.

Und tatsächlich: Auf der Fassade der neoklassizistisch angehauchten Grabmonumenten ist ein mediales Spektakel von Tanz und Inszenierung zu betrachten. Man steht und schaut sich das düstere, trübe Schauspiel von sich drehenden Gebeinen, Gerippen, kurz Skeletten, an. Es dauert eine Weile bis, fast, aber doch nicht synchron, unterschiedlichste, visuelle Geschichten von Tot und Totschlag auf den vielzähligen Grabstätten ihren Lauf nehmen. Nach dem Eintreten des Tods des Protagonistens, fängt die Szene des Skelett-Balletts wieder an. Man hört neben den einzelnen Schreien und unterdrückten Gesprächen auch das ständige Knacken von Knochen. Es ist anstössig und schändlich mit welcher Neugier der Zuschauer sich der grau-kalten Atmosphäre der Darstellung hingibt. Der kühle, winterliche Wind schweift einem um die Glieder. Und doch, durch die vertiefte Erstarrung der bezaubernden Betrachtung scheint man lebloser als der gestorbenen, fleischlose Tänzer selber.

Denn Alle, egal was sie im Leben auch sind, müssen sterben – diesem Tanz kann niemand entkommen. So lautet zumindest die Grundidee des Baslers Totentanzes. Am Totentanz, nahe des Universitätsspitals, wurde kurzzeitig, das heisst über den November 2013 hinweg, eine Freiluft-Kunstanlage vorgeführt, die sich mit dem mittelalterlichen Thema des Totentanzes befasst. Für die filmische Inszenierung war der international bekannte Filmemacher und Künstler Peter Greenaway verantwortlich. Man kann sich das Spektakel über das Internet, noch im Nachhinein, anschauen und sich selber ein, hoffentlich fröhliches und heiteres, Bild des Tanzes machen. Ich konnte mir es selber, auch nach mehrfachen und langsam vertrauten Malen, denn es befand sich auf meinem Nachhauseweg, selten verkneifen nicht stehen zu bleiben und mich der Sensation zu ergeben.