Lexicon – Mythicon

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Sprache und Wort, Ausdruck und Idee, Aussprache und Bedeutung: Das alltäglichste Werkzeug menschlicher Kommunikation. Trotz Bestimmtheit, doch so verworren.

Nicht nur psychologisch-typologische Veranlagungen spielen zu Miss-  und Unverständnis mitein, sondern auch die Unein- oder Vieldeutigkeit der Sprache. Neben (inter)kulturellem Ursprung von Wort und dessen Bedeutung, auch Etymologie genannt, ist vor allem das Bestreben, das Verlangen nach gewissenhafter Exaktheit verantwortlich für sprachliche Verkennung: Denn wie vermag es die Sprache mit einem beschränkten Wortsatz überhaupt alle reale Gebilde, Gedanken, Gegenstände und überhaupt jedes mögliches, denkbares Ding in seiner ganzen Fülle getreu abzubilden?

Man nehme Fremdwort und doch heissen Handel und Kommerz das Gleiche. Man nehme Neologismus und doch heissen Fremdheit und Neuheit das Gleiche. Man nehme Abstraktion und doch heissen Getriebe und Mechanismus das Gleiche. Man nehme Struktur und doch heissen Tomate und Frucht das Gleiche. Schlimmer noch: man heisse seine Liebe zum Leben das Gleiche wie der Hedonismus aller zusammen. Fataler noch: man heisse seine Liebe zur Wahrheit das Gleiche wie die Logik aller zusammen. Existenzieller noch: Man heisse seine Liebe zu sich selber das Gleiche wie Selbstsucht, Eigenheit oder gar Menschlichkeit aller zusammen.

Ohne auf eine mögliche allgemeingültige Lösung einzugehen, denke ich, dass Geduld, Vergebung und Edelmut dem sprachlichen Zank Einhalt zu gebieten wissen. Ungeachtet dessen, stelle ich eine, wenn auch wahrscheinlich kontroverse, (höchst persönliche,) exemplarische Liste von allzutäglichen Wörtern mit allzudenkbaren Bedeutungen auf:

– Wissen und Intelligenz

– Logik und Verständnis

– Erfahrung und Erkenntnis

– Glaube und Unwissen

– Tatsache und Gewissheit

– Struktur und Ordnung

– Rationalität und Wahrheit

– Irrationalität und Falschheit

– Objektivität und Neutralität

– Subjektivität und Eigenheit

– Effizienz und Optimum

– Toleranz und Akzeptanz

– Rassismus und Rasse

– Arbeit und Pflicht

– Kunst und Können

– Nutzen und Wert

– Liebe und Besitz

– Eigentum und Recht

– Gerechtigkeit und Rache

– Naivität und Unschuld

– Ehrlichkeit und Mut

– Ehre und Stolz

– …