Minimal-ismus

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Glockentöne läuten den Anfang einer Reise ein. Nach einer Weile geht mit den metallischen, asynchronischen Lauten auch ein räumlich anscheinend weit entfernter Gesang von schamanischer Weiblichkeit einher, und doch bleibt das Bisherige fern von kategorischer Bestimmtheit, so dass man das Bedürfnis empfindet sich noch ein wenig weiter in die Szene einzubilden. Spätestens nach dem Einsetzen eines stetiges Takts gegeben durch einen tiefen, bassartigen Trommelaufschlag, ist klar, dass dies die Grundlage bildet, die sich durch das andauernde Glockenkarussell ziehen wird. Der Beat bewegt sich in einem langsam bekannten Tempo fort und zieht den Lauscher regelrecht mit sich. Hin und wieder tauchen Abschnitte von elektronischen Instrumenten in der aufwändigen, aber doch schlicht gehaltene Kakophonie auf. Der Beat zieht weiterhin ohne jegliche Rücksicht fort, sodass der Zuhörer durch allmählich vertrauten Eigenheiten der Musik das Bedürfnis empfindet neben seinem Geist auch sein Körper dem Takt zu unterwerfen. Obwohl der Klang mit der Weile durch seine zurückhaltende Natur übersichtlich erscheint weiss er wie es um die Hörerschaft, welche trancartig versucht mit Hand- und Fussbewegungen die Höhen und Tiefen der Musik nachzuahmen, steht: Durch stellenweises Hinzufügen von fremdartigen, ungewohnten Lauten schafft das Klankarussell den Zuhörer immer wieder aufs Neue zu überraschen und weiss dadurch die Neugier für die musikalisch absurde Klangwelt zu wecken. Nach einer empfundenen Ewigkeit lassen lässt die Periodizität des Klangsspektrums nach und es sind nur noch vereinzelt Hall und Schall zu unterscheiden. Das ganze minimalistische Spektakel endet mit dem altbekannten, treibenden Beat, welcher sich dann auch zu Ruhe setzt und sich in posttrancischen Entwöhnung vernichtigt.

Minimalismus als Stilmittel in der Kunst erhöhen die Glaubwürdigkeit der interpretierenden Audienz, denn die Beschränkung auf das Essenzielle erzielt eine Fokussierung auf die zu vermittelnde, künstlerische Metapher. Kunst wird somit sinnvoller, verständlicher durch sinnarme, abstrakte Umsetzung. Dies gilt exemplarisch im vorherigen Beispiel von minimalistischer elektronischen Tanzmusik: Durch Fremdes und Geheimnisvolles ergibt sich eine geistige Reise durch das Unbewusstsein, welches das Tor zur eigenen Phantasie birgt. Nichts ist farben- und lebensfroher als die Neigung zu Neuem, zu Geheimnisvollem.