Falsche Propheten

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Es liegt nicht in meiner Natur Leute zu diffamieren, aber das soziale Netzwerk bot mir wieder einmal die Gelegenheit mich mit willkürlichen Maskenträgern zu beschäftigen.

Ein klassisches Beispiel von solcher Sorte wäre der berner Saint von Lux. Sein Porträt scheint himmlisch, luxisch und astralisch. Ein Bote aus einer metaphysischen und parapsychologischen Parallelwelt. Er deckt mit seinen professionellen (…) Dienstleistungen wie Astrologie, Geistheilung, Traumdeutung, Channeling, Wahrträumen, Lebensberatungs (und vielem mehr…) eines breites Spektrum von zumindest suspekten Themen ab. Es geht mir nicht um die Wahrhaftigkeit oder Richtigkeit von Parawissenschaften, sondern um die Person Saint von Lux. Denn er weiss wie man solcher Plunder vermarktet. Nämlich mit viel Hokus Pokus: von zusammenhanglosen Praktiken über unabhängigen, aber wohlklingenden Wörter versucht er alles in seinen Zauberhut zu packen. Anscheinend mit Erfolg. Wenn jemand damit Kundschaft findet und Profit macht ist das eine Sache. Wenn aber eine ganze Reihe von bedeutetem Wissen wie der Astrologie oder sonstigen esoterischen Themen darunter an Glaubwürdigkeit leidet, ist das, meiner Meinung nach, einfach zeitgeistlos und am Ende kontraproduktiv.

Es gilt in unser technologisierten Welt dem Menschen seine Herkunft vor Augen zu halten. Ansätze dazu finden sich vor allem in Gebieten wie der Suffizienz, der Verlangsamung, der Naturnahheit oder eben auch der Mystik wieder. Der Mensch muss wieder lernen staunen zu können. Es gibt zahlreiche, unabhängige Forscher, die um eine Reetablierung von bisher diskreditierten Studiengebieten kämpfen. Das verlorene, esoterische Wissen kommt somit seit langer Zeit wieder zum Vorschein und ist der faktischen, deterministischen Wissenschaft nie so nahe gewesen. Denn erst durch die Synthese von Esoterik und Exoterik, von Subjektivem und Objektivem, von Vergangenem und Zukünftigem kann die Menschheit als Ganzes zu Paradiesischem wiederfinden.

Leider wird gegen eine solche Synthese von Bekanntem und Unbekanntem nicht nur von der konsensorientierten, wissenschaftlichen Seite gearbeitet, sondern auch von der nebelhaften, esoterischen Seite. Man ist als Zauberguru genau wie der Firmenleiter dem Kapital unterworfen und versucht sich durch geschicktes Marketing den ahnungslosen Kunden zu angeln: Beide verkaufen Halbwissen und somit Müll.

Ein Nietzsches Gleichnis (Also Sprach Zarathustra (1885): Von der unbefleckten Erkenntniss.) möchte ich Saint von Luchsen und sonstigen Schwindlern mitgeben:

Als gestern der Mond aufging, wähnte ich, daß er eine Sonne gebären wolle: so breit und trächtig lag er am Horizonte.

Aber ein Lügner war er mir mit seiner Schwangerschaft; und eher noch will ich an den Mann im Monde glauben als an das Weib.

Freilich, wenig Mann ist er auch, dieser schüchterne Nachtschwärmer. Wahrlich, mit schlechtem Gewissen wandelt er über die Dächer.

Denn er ist lüstern und eifersüchtig, der Mönch im Monde, lüstern nach der Erde und nach allen Freuden der Liebenden.

Nein, ich mag ihn nicht, diesen Kater auf den Dächern! Widerlich sind mir alle, die um halbverschlossne Fenster schleichen!

Fromm und schweigsam wandelt er hin auf Sternen-Teppichen – aber ich mag alle leisetretenden Mannsfüße nicht, an denen auch nicht ein Sporen klirrt.

Jedes Redlichen Schritt redet; die Katze aber stiehlt sich über den Boden weg. Siehe, katzenhaft kommt der Mond daher und unredlich. –

Dieses Gleichnis gebe ich euch empfindsamen Heuchlern, euch, den »Rein-Erkennenden«! Euch heiße ich – Lüsterne!

PS: Einfach ein Vollmongo dieser Luchs. Sorry.