Spiel der Hoffnung

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Die Familie: der Grundbaustein einer jeden soliden Gesellschaft. Ihr liegt die gesunde Erziehung und die Weitergabe von Tradition, Kultur und Moral zugrunde. Die Erziehung zum guten und stolzen Nachkomme.

Darunter werden enge Beziehungen verstanden: Manche sprechen die Liebe nur der Familie zu und andere wiederum halten die ganze Welt für Mütter, Brüder und Töchter.

Darunter werden die identischen Wurzeln verstanden: Manche sprechen von Fleisch, Haus und dem Nachbarn und andere wiederum meinen Raum, Region und Rasse.

Darunter wird die gemeinsame Sprache verstanden: Manche sprechen von Deutsch, Schule und ihren Freunden und andere wiederum meinen ganzer Traum, Idee und Ideologie.

Nun was macht nur die Familie tatsächlich aus? Die Gemeinschaft von Vater, Mutter und Kind? Oder ist Familie nicht etwa ein Trugwort für gezielte Indoktrination des Kindes allein? Versteht man unter dieser Indoktrination als Hochzucht von Familie das Gedeihen der Summe von eigenen Vorstellung und Hoffnungen? Verlogenes Spiel von Macht und Anrecht auf Gutes?

Die Hochzucht bestehe darin unter der zweifellosen Überzeugung seine eigene Vorstellung von Gut und Böse dem wehrlosen, unwissendem Kind aufzubürden. Ein jeder versteht sich dazu verpflichtet ihm das Gute auf den Weg mitzugeben. Von der individuellen Wahl ist keine Rede! Die Sprache, das Verhalten oder der Glauben sind nur mit trügerischen Halbwahrheiten versehen. Der Erzieher, der Jeder sieht sich somit gezwungen dem Nachwuchs diese Bürde von Gut und Böse zu nehmen und ihm den richtigen Weg von Anfang an zu zeigen. Denn man hat es selber nie besser gekannt, ohne jegliche Steine, Fallen, Irrwege.

Die Hochzucht bestehe auch in der Absicht seine eigene Hoffnung auf eine mögliche Abfindung, Genugtuung von Verlorenem und Verspieltem auf das unbefleckte, unerfahrene Kind abzuwälzen. Ein Jeder versteht sich dazu verpflichtet ihm das Richtige und Falsche auf den Weg zu geben. Unter Richtigem wird das Nachahmen von eigenen Erfolgen und das Meiden von eigenen Misserfolgen und unter Falschem wird nur das Scheitern verstanden. Die Hoffnung als Bürde scheint die noch schwerere, peinigendere Last als es die freie Wahl zwischen Gut und Böse wäre, zu sein. Denn das dadurch verdiente, angemessene Recht auf Anerkennung guter Erziehung zielt auf nicht Geringeres als das Paradisische ab, der Sinn des (Eltern-)Lebens selbst.

Nicht zuletzt wird dieser Übertragung von Eigennutz fälschlich als Menschenrecht und Freiheit gehalten. Nur weil die Natur dem Menschen die Möglichkeit zur Geschlechtserhaltung als himmlische Gabe geschenkt hat, versteht es ein Jeder – wie so oft – sich dazu berufen sein Glück im Kinderzeugen zu üben wenn die Existenz einem wieder schwerer fällt. Der Geschlechtsverkehr als Verführung, die Partnerschaft als Herausforderung und das Gebären als Schlüssel zur Lastübergabe. Der Trieb ist so unverschämt eigennützig, so dass die damit assoziierte Anrecht frei und eigen wie das eigene Fleisch scheint. Ironischerweise zählt besonders unter fundamentaleren Erziehern der Geschlechtsverkehr als verpönt, gar tabu und die Familie als notwendige Erhaltung von Tradition und Moral.

Aus gesellschaftlicher Sicht ist die Freiheit zum Kind ziemlich verheerend, denn damit sind regulatorischer Notwendigkeit die Hände gebunden. Die Weltbevölkerung nimmt unaufhörlich zu und beansprucht unsere weltlichen begrenzte Ressourcen. Unter diesen gehören nicht nur Erze und Energieträger, sondern im besonderem Masse auch Nahrung, Wasser oder Raum. Anders gesagt ist die Geburt eine Verantwortung der gesamten Welt die nicht für vermeintliche, sowieso überflüssige Erziehung, sondern schlicht für dessen existenzielle Bedürfnisse eintreten muss. Die Welt als Gesellschaft ist der rechtmässige Erzieher unseres Menschengeschlechtes, weder Familie, Kultur, Glauben noch Herkunft. Die individuelle Freiheit als Beitrag zum Kollektiv ist eine universelle Grundbedingung. Unter dieser individuellen Freiheit fällt sicherlich nicht das uneingeschränkte Recht auf Geburt und Erziehung! All unsere ungelöste weltliche Angelegenheiten unterliegen unserer gesamten Unfähigkeit den Nachkommen die individuelle Freiheit zukommen zu lassen die ihnen zustehen sollte. Leid und Hoffnung gebären weitere Generationen voller Leid und Hoffnung.

Was ist schon Familie? Was ist schon Erziehung? Familie und Erziehung kann nie mehr als Jemand beinhalten, denn es kann nie mehr als nur Jemanden ganz persönlich etwas angehen. Alles andere ist Trug und Schein.